Deutsch-tschechischer Austausch 29. November 2017 - Allgemein Archiv Berufsschule


Horizonterweiterung und viel Spaß an der Gewerblichen Schule Geislingen

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Eine Besonderheit an der Gewerblichen Schule Geislingen ist der deutsch-tschechische Austausch der dualen Berufsausbildung der Schreiner.

An allgemeinbildenden Gymnasien ist ein Sprachaustausch fester Bestandteil des Sprachenlernens, an gewerblichen Schulen ist dies jedoch die absolute Seltenheit.

Der deutsch-tschechische Zukunftsfond unterstützt diesen Austausch finanziell, der an der Gewerblichen Schule Geislingen dieses Jahr bereits zum 15. Mal stattfand und von Schülern und Lehrern als gewinnbringend und horizonterweiternd bezeichnet wird. Neben vielen neuen Eindrücken und dem Besichtigen eines anderen Landes, lernen die Schüler Vorurteile abzubauen, Freundschaften zu knüpfen, ihre Englischkenntnisse anzuwenden, ganz ohne Sprache zu kommunizieren, fremde Speisen und Traditionen kennen und erweitern dabei ihren Horizont.

 

Dies ist besonders hervorzuheben, da das Handwerk als Gemeinsamkeit Sprachbarrieren überbrücken kann und im Zuge der Globalisierung die internationale Kooperation und der Aufbau von Freundschaften über Ländergrenzen hinweg umso wichtiger sind.

Zudem bieten sich Schülern und Schülerinnen während der Berufsausbildung aus Zeit- und Kostengründen selten die Möglichkeit fremde Länder zu bereisen. Dieser Austausch soll zum einen die vielen Möglichkeiten handwerklicher Berufe auch über Ländergrenzen hinweg die eigenen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen aufzeigen und zum anderen jedem einzelnen Schüler wichtige Erfahrungen außerhalb des eigenen Radius ermöglichen.

 

Jedes Jahr fährt deshalb das erste Ausbildungsjahr des Holzhandwerks im Juni mit Kleinbussen nach Pisek, um die Partnerschule zu besichtigen und die Stadt zu erkunden:

Dieses Jahr fuhren 17 Schülerinnen und Schüler am 29. Mai nach Tschechien. Nach einem kurzen Aufenthalt in Wallersdorf bei Dingolfing bei der Firma Vedder, einem Traditionsbetrieb, der den Innenausbau luxuriöser Jachten und Gebäude realisiert, wurde die Gruppe von den tschechischen Schülern und Lehrern herzlich begrüßt.

Nach der Schulbesichtigung und aller dazugehörigen Werkstätten stellten die deutschen und tschechischen Schüler in Kleingruppen gemeinsam Holzhocker her. Nach anfänglicher Zurückhaltung arbeiteten alle konzentriert und durch nonverbale Kommunikation (Zeigen und Nachahmen) konnten Kommunikationsschwierigkeiten überwunden werden. Drei der fünf hergestellten Hocker sind in der gewerblichen Schule zur Besichtigung ausgestellt. Der Genuss von Braten und lokal hergestelltem Bier half sich schnell heimisch zu fühlen. Am darauffolgenden Tag wurde gemeinsam mit den tschechischen Schülern Prag erkundet. Die letzten beiden Tage verbrachten tschechische und deutsche Schüler gemeinsam in Krumlov, einer wunderschönen Stadt, die zudem auch als Weltkulturerbe geschützt ist. Beim Raften auf der Otta wurden Softskills geschult und der Klassenzusammenhalt gestärkt.

Nach Halt im Böhmerwald und der Besichtigung kleiner Holzkanäle, die früher zum Transport von Baumstämmen genutzt wurden, fuhr die Gruppe nach fünf Tagen glücklich ins Filstal zurück.

 

Mitte Oktober durfte die Gewerbliche Schule Geislingen nun ihre Tschechischen Gäste willkommen heißen. Groß war die Freude des Wiedersehens und engagierte Lehrer des Kollegiums bekochten am ersten Abend die Gäste. Bei Maultaschen und Kartoffelsalat kam man sich schnell näher und so war es ein fröhliches und geselliges Beisammensein. Neben der Besichtigung von Porsche und Bosch in Stuttgart und dem Kunstmuseum in Ulm, wurde natürlich hauptsächlich die Partnerstadt Geislingen erkundet. Der Weltkonzern WMF führte deutsche und tschechische Schüler durch sein Unternehmen und zeigte dabei wie komplex die Herstellung eines Kochtopfes ist. Ein unverhofftes Schmankerl für die tschechischen Schüler war die Führung durch Herrn Bolek, einem seit vielen Jahrzehnten in Deutschland lebenden Tschechen. Er erklärte komplexe Verfahren auf Tschechisch und beantwortete hilfsbereit auch persönliche Fragen zur WMF und zum Leben in Deutschland. Eine Stadtführung durch Geislingen mit Halt in den Cityoutlets und Besichtigung der ältesten Gebäude der Stadt stimmte alle Schüler glücklich.

In der Gewerblichen Schule Geislingen wurde anhand eines Stationen Laufs, der alle Werkstätten umfasste und so Ausstattung dieser als auch die Arbeitsweise darin vorstellte, miteinander gearbeitet. Die Schüler erledigten kleinere Arbeiten unter Anleitung der Werkstattmeister und wurden dabei durch die deutschen Schüler, die dort Unterricht genossen, unterstützt. Am Ende konnten sich die Gäste in der Frisörabteilung die Haare schneiden lassen oder eine kurze Kopfmassage genießen.

Insgesamt blicken alle beteiligten Schüler und Lehrer auf zwei ereignisreiche und schöne Wochen in Pisek und Geislingen zurück und manche Schüler planen bereits private Besuche in Tschechien, um entstandene Freundschaften zu vertiefen.

(Bericht: Verena Gauß)

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