Was ist passiert? Wunden und Verletzungen im Gesicht 24. Juli 2017 - Archiv


Projekt zur Wahrnehmung an der Gewerblichen Schule Geislingen

Friseure sind nicht nur Handwerker und Verkäufer, sondern auch Psychologen. Das bewiesen die Schülerinnen und Schüler des dritten Lehrjahres der Friseurabteilung der Gewerblichen Schule Geislingen in dem Gemeinschaftsprojekt „Selbst- und Fremdwahrnehmung“, das zusammen mit der Eingangsklasse des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums der Emil-von-Behring-Schule durchgeführt wurde. Die Leitung dieser Veranstaltung lag bei den Lehrerinnen Carmen Thiel (Friseur) und Simone Schapke (Psychologie).

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Ziel dieses Projektes war bei den Friseuren, Kunden richtig einzuschätzen, Wünsche zu erfüllen und die eigene Wirkung auf den Kunden zu erfahren; bei den „Psychologen“ die Reaktionen der Umgebung zu beobachten und die eigene Gefühlswelt neu zu erfahren.

Nach weniger als zweiminütigem Kennenlernen und Wahrnehmen der Kundin, erstellten die angehenden Friseurinnen einen Beurteilungsbogen zu anatomischen Merkmalen und Persönlichkeitseigenschaften, sowie einen Behandlungsplan für die Schmink- und Stylingempfehlung.

Anschließend wurden die Schülerinnen der Eingangsklasse, die in die Rolle der Kundinnen schlüpften, mit dem kompletten Gesichtspflegeprogramm verwöhnt und mit Tages-Make up und Frisur „verwandelt“. Da die „Kundinnen“ dies ohne Spiegel nicht miterleben konnten, war die Überraschung groß war und die Reaktionen sehr unterschiedlich.

Beim nachfolgenden Vergleich von Fremd- und Selbsteinschätzung zeigte sich, dass Kunden sich in Bezug auf ihre Charaktereigenschaften oft anders einschätzen. Gerade dies kann in der Arbeitswelt zu Missverständnissen führen.

 

 

Für den zweiten Teil wurden die Spiegel nun erneut abgesenkt. An sichtbaren Stellen im Gesicht wurden Wunden und Verletzungen geschminkt. Auch hier wurden die unterschiedlichen Empfindungen beobachtet und bei der anschließenden Präsentation vorgestellt. Mit diesen „Verletzungen“ wurden die Schülerinnen entlassen um damit in Geislingen spazieren gehen zu können. Hierbei testeten und beobachteten sie die Reaktionen der Passanten. Hilfe wurde nur ein einziges Mal angeboten. Dagegen wollte eine Mutter sofort den Krankenwagen rufen, nachdem sie über WhatsApp ein Foto ihrer Tochter erhielt.

Für alle Beteiligten war diese Veranstaltung ein Erlebnis, welches lange in Erinnerung bleiben wird. Die Friseurauszubildenden freuten sich ihre kreative Seite ihres Berufes zeigen zu können und die „Kundinnen“ waren erstaunt, dass auch solche Verwandlungen Lerninhalte der Friseurausbildung sind.

Die Friseure konnten sich alle über ein positives Feedback freuen, denn die Kunden würden alle wieder kommen.

Carmen Thiel möchte dieses Projekt auch im nächsten Jahr wiederholen.

(Bericht: Sabine Kern-Vonier)