Ilse Messerschmid baut auf ihre Erfahrungen 19. Dezember 2017 - Aktuelles Allgemein Archiv

Ilse Messerschmid Leiterin der Gewerbliche Schule in Geislingen.

Seit August leitet Ilse Messerschmid die Gewerbliche Schule in Geislingen. Nach vielen beruflichen Stationen fühlt sie sich dort angekommen.

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(Geislinger Zeitung 19.12.2017)

Der Blick aus dem großen Fenster in ihrem Büro begeistert Ilse Messerschmid jeden Tag aufs Neue. Obwohl sie bereits seit dem 1. August Schulleiterin der Gewerblichen Schule im Geislinger Berufsschulzentrum ist, kann sie sich an dem Ausblick nicht satt sehen. „Das erhebt die Seele“, sagt die 56-Jährige lachend.

Überhaupt kommt die Albershausenerin gerne an ihren Arbeitsplatz – und das hat viele Gründe. „Es ist so ein fröhliches Miteinander in den Fluren, am Billardtisch oder am Tischkicker“, beschreibt sie und macht einen „wunderbaren Hausgeist, der hier herrscht“ für die gute Atmosphäre an der Schule verantwortlich. Den habe sie von ihrem Vorgänger Manfred Roos geerbt, sagt die Schulleiterin und der sorge für ein Gemeinschaftsgefühl unter den Lehrern, für ein gutes Lehrer-Schüler-Verhältnis und eine positive Stimmung unter den Schülern, die immerhin aus 25 Nationen kommen.

Mehr als 20 Jahre unterrichtete Messerschmid an unterschiedlichen Berufsschulen, arbeitete als Qualitätsbeauftragte an der Friedrich-Ebert-Schule in Esslingen und übernahm vier Jahre lang die Verantwortung im Bereich „berufliche Bildung“ am Stuttgarter Regierungspräsidium. Jetzt genießt sie in Geislingen die Kombination aus Verwaltung, Gestaltung, Organisation und vor allem wieder vier Stunden Unterricht. „Zum einen macht mir das Unterrichten einfach Freude“, sagt die 56-Jährige. „Zum anderen wird mir immer wieder klar gemacht, dass ich mich als Schulleiterin in erster Linie darum kümmern muss, guten Unterricht zu ermöglichen. Es geht erst in zweiter Linie um Verwaltung.“

Die vier Jahre am Regierungspräsidium haben Ilse Messerschmid einen Insiderblick in 95 berufliche Schulen ermöglicht. „Das ist ein einmaliger Schatz, von dem ich jetzt profitieren kann“, sagt sie. Aus dieser Erfahrung heraus weiß sie, auf welche Aspekte es in einer erfolgreichen Schule ankommt. „Das ist ein Dreiklang“, beschreibt sie. Zum einen die wertschätzende Atmosphäre, die an der Schule herrsche – „vielleicht einfach deshalb, weil wir eine kleine Schule sind, mit kurzen Wegen untereinander und engen Kontakten zu den Eltern und Betrieben unserer Schüler“.

Das zweite wichtige Element sei es, Leistung zu fördern und zu ermöglichen. „Das geht, wenn wir die vorhandenen Rahmenbedingungen so gestalten, dass sich Lehrer auf verbindlichen Unterricht konzentrieren können. Dazu – das macht Messerschmid unmissverständlich klar – gehöre die Unterstützung des Schulträgers. Damit die Schule in Bezug auf Ausstattung und moderne Technik mit der Entwicklung in den Betrieben Schritt halten könne beziehungsweise ihnen immer einen Schritt voraus sei. „Zum Glück haben wir eine Super-Unterstützung vom Landratsamt als unserem Schulträger“, sagt sie. Daneben seien Lehrer mit Interesse an Schülern und Fachkompetenz, aber vor allem mit Innovationsfreude unerlässlich. „Auch diese Lehrer haben wir. Sie zeigen alle eine hohe Fortbildungsbereitschaft“, freut sie sich.

Der dritte Aspekt des Dreiklangs sei es, inmitten der Verbindlichkeit den notwendigen Freiraum für die persönliche Krea­tivität der Lehrer zu schaffen. „So entstehen Projekte wie unsere ‚Industrie 4.0´ in der Fertigungstechnik. Oder die Übungen zum ‚Smarthome` in der Installationstechnik“, gibt sie Beispiele. Ein weiteres Beispiel sei der Einsatz für die jungen Flüchtlinge, die zum Teil jetzt mit der Ausbildung beginnen und für deren Bildung und Unterstützung ebenfalls neue Wege gefunden werden mussten – wie etwa spezieller Deutsch-Förderunterricht.

Dass sie nach dem Studium – unfreiwillig wegen der damaligen Lehrerschwemme – eineinhalb Jahr Praxiserfahrung in einem Industriebetrieb sammelte, kam Messerschmid für ihr heutiges Know-how genauso entgegen wie ihre Perspektive als Mutter von drei heute erwachsenen Kindern, von denen zwei ebenfalls eine duale Ausbildung durchlaufen haben.

Das Picasso-Bild, das gegenüber ihres Schreibtischs hängt und das Mittelmeer zeigt, weist auf die spanischen Wurzeln hin, die Ilse Messerschmid durch ihren Vater hat. „Ich liebe das Meer, deshalb habe ich das Bild aufgehängt“, erzählt sie – und hat damit vom Schreibtisch aus gleich zwei Richtungen für eine schöne Aussicht.

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